Olli Dittrich

11 Richtige - Info

von Roger Willemsen

Wie viele Menschen bevölkern Olli Dittrich? Wie viele kann er sein? So oft hat sich der Mann vervielfältigt, dass man fast vergessen hat zu fragen: Wer ist Olli Dittrich selbst? Gibt seine Musik Auskunft? Dittrichs erste Platte erschien 1977, er hat seither etwa 250 Lieder geschrieben, hat eigene Alben veröffentlicht, sich bei den „Doofen“ im bescheidenen Mittelgrund, bei „Texas Lightning“ trommelnd im Hintergrund rumgedrückt und jetzt endlich ist er auf sich selbst zurückgekommen. Was für eine Entdeckung!

Denn dieses Album ist nicht allein raffiniert, begeistert musikantisch, opulent produziert, dabei stilsicher und bei alledem von einer imponierenden musikalischen Reife (man muss schon ein erfahrener Musiker sein, um mit so vielen Könnern arbeiten und so klingen zu können); es besitzt dazu diesen liebevollen Grundton, es ist „warm“ und immer wieder und abseits aller Ironie auch anrührend.

Dies Album ist viele. Es adaptiert mühelos den koketten Charme der Zwanziger Jahre Chansons („Kein Wort wahr“), den breitbeinigen Happy-Sound des Sechziger-Jahre-Schlagers („Du bist die Sonne“), den schmetternden Schmelz der Mariachis („Die größte Liebe“); es bearbeitet Couplet, Ballade, Ethno Pop, mischt Mandolinen-Tremolo mit Dobro-Gitarre („Noch einen Tanz“) und einen Bläserchoral mit der sprechgesanglichen Beharrlichkeit eines Lou-Reed-Titels („Kleines Herz“). Wann hätte ein Album aus Deutschland zuletzt so viele Gesichter gehabt und doch so viel Geschlossenheit bewiesen? Wann wären zuletzt Streichquartett, Männerchor, Mandoline, Banjo, Harfe, Horn und Porno-Orgel in eine so glückliche Verbindung getreten?


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